19.10.2014 | Im (unfreiwilligen) Test: Der ADAC Postbus

Abenteuer Fernbus

Da die GDL derzeit so effektiv Werbung für Fernbusse macht, habe ich es gestern auch einmal gewagt (wagen müssen), mit einem zu fahren. Hier mein Resümee.

Ich habe einen der letzten Plätze in einem ADAC Postbus bekommen. Die Reise von Nürnberg nach Dortmund kostet per Bahn im ICE 127 Euro (Normalpreis) oder eben 64,50 Euro (mit Bahncard 50). Der ADAC Postbus hat mich 51,50 Euro gekostet. Der Flixbus hätte sogar nur 17 Euro gekostet (war aber schon ausgebucht).

Die Fahrt mit der Bahn dauert - je nach Verbindung - zwischen 4,5 und 5 Stunden. Der ADAC Postbus benötigt offiziell 6 Stunden; hatte gestern aber 30 Minuten Verspätung bei der Ankunft. Der Flixbus braucht gar 7 Stunden.

Die Sitze im Fernbus finde ich deutlich bequemer als die der Bahn. Außerdem war ich überrascht, wie ruhig es war. In der Bahn unterhalten sich eigentlich immer Leute, wenn es voll ist. Außerdem bietet der ADAC Postbus kostenloses WLAN an. Das funktionierte zwar nicht immer, aber zuverlässiger als die HotSpots in den ICEs.

Offiziell bietet der ADAC Postbus ein Mediencenter über eine App (iOS / Android) an. Darüber soll man auf der Fahrt via SmartPhone oder Tablet Zugriff auf verschiedene Filme oder Serien haben. Beworben werden zum Beispiel The Amazing Spider-Man, Argo, Gravity, Der Hobbit. Gute Sache. Eigentlich. Denn gestern bot die App nur zwei Seiten: Die Startseite und eine Fehlerseite. Das war zwar schade, aber ich hab auf meinem Tablet so viel Zeugs, ich kann mich damit eh stundenlang beschäftigen.

Das größte Problem ist eines, für das die Fernbusse nicht können: Der eine Fahrgast, der nervt. In meinem Fall gab es einen Herren, der vielleicht zwei Tage nicht geduscht und die letzte Nacht durchgezecht hatte. Jedenfalls roch er so. Und er hatte - natürlich - einen Platz hinter mir. Glücklichweise habe ich ihn nicht die ganze Zeit wahrgenommen, hauptsächlich nur, wenn er an mir vorbeigegangen ist. Ich habe keine Ahnung, wie es die beiden Leute neben ihm (er saß in der letzten Reihe zwischen zwei Männern) stundenlang ausgehalten haben.
In der Bahn könnte man versuchen, einen anderen Platz zu finden oder sich zumindest irgendwo anders hinstellen. Im voll besetzten Bus gibt es keine Fluchtmöglichkeit.

Essenz: Die Fahrt ist günstiger, dauert aber länger. Die Busse fahren natürlich auch nicht so häufig wie die Bahn. Dafür sind die Sitze bequemer. Und mit anderen Fahrgästen oder Pannen kann man in beiden Fällen Pech haben.
Es ist aber bei weitem nicht so nervig oder anstrengend wie ich vorher befürchtet hatte.

Und wie ich schon auf Twitter schrieb: Würde mich nicht wundern, wenn sich die Spitze der GDL derzeit fürstlich von Fernbus-Unternehmen schmieren ließe. 

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