Kleine Figur einer Dame im roten Kleid, die einem Zug hinterher winkt

15.07.2016 | Rant zum Wochenende

Say Goodbye to StayFriends

Es ist gar nicht so einfach, mal eben sein uraltes Konto bei stayfriends.de zu löschen. Die Plattform hat sich wirklich Mühe gegeben, die Option zu verstecken. Eine erbärmliche Aktion.

Diese Woche treibt mich ein verspäteter Frühjahrsputz um. Ich habe bereits ein Dutzend T-Shirts, zwei Dutzend Bücher und einiges Nerd-Zeugs an Oxfam gespendet. Nicht genutzte Twitter-Accounts gelöscht. Etliche Newsletter abbestellt. Und Accounts bei diversen Online-Diensten, die ich nie genutzt habe, ins Nirvana gekickt.

Aus irgendwelchen Gründen hatte ich immer noch einen Account bei stayfriends.de. Also weg damit.

Ein Indiz für einen guten Online-Dienst ist für mich die Art und Weise, wie ein Benutzer seinen Account löschen kann. Eigentlich ist es ganz einfach: Irgendwo im Profil sollte man einen Link finden, mit dem man alle Daten löschen kann. Klicken und fertig. Möglicherweise lässt der Dienst die Daten noch 14 Tage (oder auch 30 Tage) online, so dass man es sich noch einmal anders überlegen kann. Soll ja vorkommen. Aber danach sollte eben alles gelöscht werden.

Nun gibt es Dutzende Anbieter, die ihren Nutzer absichtlich Steine in den Weg legen, damit diese ja keinen Weg finden, um ihr Konto zu löschen. Wenn es eine Pflicht für direkte Links zum Impressum und Datenschutz gibt, warum gibt es keine Pflicht einen einfachen, leicht auffindbaren Löschen-Link zur Verfügung zu stellen?

Gerade stayfriends.de legt hier ein ziemlich schäbiges Verhalten an den Tag. Und motiviert mich damit zu einem »Rant zum Wochenende«. Wer immer noch ein altes StayFriends-Konto mit sich rumschleppt, möge sich inspiriert fühlen, dem Laden ebenfalls den Rücken zu kehren.

Man sollte meinen, dass sich das eigene Konto über die Stammdaten in den eigenen Einstellungen löschen lässt. Dort gibt es jedoch keinen Hinweis aufs Löschen.

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Also ab in die Hilfe und dort mal nach »löschen« suchen. Es gibt vier Treffer; nichts, was mir weiterhilft.

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Ich habe probeweise mal nach »abmelden« gesucht und – schwupps – gibt es plötzlich einen Treffer »Wie kann ich meinen Datensatz bei StayFriends löschen?«.

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Da wird man doch stutzig: Warum tauchte dieser Treffer nicht bei der Suche nach »löschen« auf? Schließlich kommt das Wort »löschen« direkt in der Frage vor. Vielleicht ist es ja ein technisches Problem, und die Suche liefert maximal vier Ergebnisse? Aber nein, eine Suche nach »gold« bietet zum Beispiel sechs Treffer.

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Mir fällt nur eine Erklärung ein: StayFriends unterschlägt ganz absichtlich den Treffer für »Wie kann ich meinen Datensatz bei StayFriends löschen?« bei der Suche nach »löschen«. Welchen Grund kann es sonst geben? Das wäre dann wirklich ein ziemliches Arschloch-Verhalten.

Klappt man den Datensatz »Wie kann ich meinen Datensatz bei StayFriends löschen?« aus, erscheint ein Link »Bei StayFriends austragen«.

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Darüber gelangt man – Überraschung – wieder auf die oben genannte Seite mit den Stammdaten. Nur gibt es jetzt – auf magische Weise – plötzlich ganz unten einen Link zum Löschen des Accounts.

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Nach erneuter Nachfrage, ob man den Account wirklich löschen will, darf man ihn dann auch endlich löschen.

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Ich habe ja nichts dagegen, einen Link zum Löschen nicht ganz so prominent irgendwo unterzubringen. Und vielleicht auch das Profil sicherheitshalber ein paar Tage zu behalten, bevor es endgültig gelöscht wird. Oder auch noch einmal nachzufragen, ob man sein Konto wirklich löschen will. Aber was StayFriends hier abliefert ist wirklich erbärmlich.

Meine Empfehlung, falls ihr dort immer noch ein Konto habt: Löscht es!

Titelbild: »to say goodbye« von elke oerter via freeimages.com, FreeImages.com Content License (July 2015)